Bin ich gesund und fit genug, um einen Triathlon zu bestreiten? In welchen Puls-Bereichen soll ich trainieren? Welche orthopädischen Beschwerden können an Knochen, Muskeln und Gelenken auftreten? Um diese und weitere Fragen ging es bei der prevenTUM-Fortbildung „Triathlon und Herz“ – einer weiteren, gemeinsamen Fachveranstaltung unseres Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München (Univ.-Prof. Halle) mit der Abteilung für Sportorthopädie am Klinikum rechts der Isar (Univ.-Prof. Imhoff). Ein spannender Abend! Vier Referenten präsentierten wissenschaftliche Erkenntnisse aus Sportkardiologie und Sportorthopädie und stellten anschauliche Fallbeispiele vor. Rund 300 Ärzte, Sportwissenschaftler, Trainer, Sportlehrer und Physiotherapeuten nahmen an der Fortbildung teil.

„Ein Triathlon ist eine körperliche und mentale Extrembelastung“, betonte Dr. med. Katrin Esefeld, Oberärztin an unserem Zentrum, achtfache Finisherin des Ironman Hawaii und dreifache Triathlon-Weltmeisterin ihrer Altersklasse. Voraussetzung für einen Ironman seien eine Ausdauererfahrung von mehreren Jahren, ein langsamer Einstieg mit kürzeren Triathlondistanzen und eine Vorbereitungszeit von etwa sechs Monaten mit Trainingsumfängen von bis zu 15 oder mehr Stunden pro Woche. Der Sportler sollte wissen, ob er gesund ist (sportmedizinisch-kardiologische Untersuchung), er sollte einen guten Trainingszustand (Grundlagenausdauer) und eine realistische Zielsetzung haben. Die Regenerationsphase sei für Erfolge im Training und im Wettkampf besonders wichtig. Dr. Esefeld: „Sie ist die Zeit, in der man trainiert – nur durch Pausen wird man besser“, Anhand von Laktat-Leistungskurven zeigte sie, wie sich die Leistungsfähigkeit verbessern lässt, wenn im individuell richtigen Pulsbereich und mit Ruhetagen trainiert wird. „Jeder Trainingsreiz führt zu einer Ermüdung. Das Herz-Kreislaufsystem, die Muskulatur und der Kopf müssen sich von der Belastung erholen. Wer weiter trainiert, wenn er noch erschöpft ist, wird nicht besser.“

Schwimmen, Radfahren, Laufen, Sterben: Dr. Esefeld stellte eine Studie aus den USA vor. Diese zählte 120 plötzliche Todesfälle beim Triathlon im Zeitraum 1985 bis 2016. Aus sportkardiologischer Sicht sei ein Triathlon riskanter als ein Marathonlauf: Bei zwei von 100.000 Teilnehmern kam es im Zeitraum 1985 bis 2016 zu einem plötzlichen Herztod (Marathon: einer von 100.000). Die Ereignisraten bei den Männern waren als dreimal so hoch wie bei den Frauen. Betroffen waren vor allem Männer über 40, die unerfahrene Sportler waren. Die Triathlondistanz spielte keine Rolle. Über zwei Drittel der Todesfälle ereigneten sich während des Schwimmens, 16 Prozent beim Radfahren, elf Prozent beim Laufen und sechs Prozent während der Erholungsphase nach dem Wettkampf. 15 Teilnehmer hatten beim Radfahren tödliche Unfälle. Mehr als die Hälfte aller Verstorbenen hatten eine erhebliche Koronare Herzerkrankung (KHK). Dr. Esefeld betonte daher, wie wichtig regelmäßige sportmedizinisch-kardiologische Vorsorgeuntersuchungen seien. Auch unter 35-jährige, gesunde Freizeitsportler mit Triathlon-Ambitionen sollten einmal einen Herz-Ultraschall durchführen lassen, um angeborene Herz-Erkrankungen wie Klappenfehler ausschließen zu lassen. Eine Laktat-Leistungsdiagnostik ermöglicht die Beurteilung der Ausdauerleistungsfähigkeit, die Ermittlung des optimalen Trainingspulsbereichs und somit eine bessere Trainingssteuerung: Bei der Laktatschwelle beginne der Trainingsreiz, ein Training im niedrigeren Bereich sei als Regeneration einzustufen.

Wieviel Sport ist gesund? 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche – dies sei die richtige Dosis für gesunde Erwachsene, um das Risiko u. a. für Herz-Kreislauferkrankungen zu senken. Dies erklärte Dr. med. Marisa Geisberger, ebenfalls Ärztin an unserem Zentrum (mehr zu „Gesundheitssport“ in unserer Broschüre). Anhand unserer Studien beim München Marathon und dem Transalpine Run sprach sie über „Extrembelastung und Herz“. Rund um die Wettkämpfe untersuchte unser Team die Effekte von exzessiven Ausdauerbelastungen auf kardiale Marker. Dr. Geisberger ging insbesondere auf High-sensitive Troponin T ein. Der positive Nachweis von kardialem Troponin bedeutet, dass eine Herzmuskelschädigung vorliegt. Ein stark erhöhter Wert kann auf verschlossene Koronararterien deuten. Durch intensiven Sport könne der Troponinwert deutlich ansteigen, müsse sich danach aber rasch wieder normalisieren. Unsere Studie im Rahmen des Transalpine Runs zeigte, dass selbst eine mehrtägige Extrembelastung (Etappenrennen mit 264 Kilometern und mehr als 15.000 Höhenmetern) keinen klinisch relevanten hsTbT-Anstieg bei gesunden Ausdauerathleten verursachte. In der bildgebenden Diagnstik (Echo und Kardio-MRT) konnte kein kardialer Schaden bzw. Dysfunktion nachgewiesen werden. Ein kurzzeitiger Troponin-Anstieg nach Wettkämpfen habe keinen Krankheitswert und sei eher physiologisch (gültig nur für gesunde Athleten), jedoch bestehe ein Zusammenhang zwischen prolongierter cTnT-Erhöhung nach Extrembelastung und KHK-Prävalenz.

Über orthopädische Probleme beim Triathlon informierten unsere Kollegen von der Abteilung für Sportorthopädie am Klinikum rechts der Isar. „Triathlon – Belastung für Knorpel und Meniskus“, so lautete der Vortragstitel von Oberärztin PD Dr. med. Andrea Achtnich. Sie erklärte, dass die häufigsten Überlastungsschäden von Triathleten beim Laufen auftreten. Während bei den jüngeren Sportlern eher Knie, Wade und Schienbein betroffen seien, zwingen Muskelsehnenverletzungen ältere Athleten zu einer Pause. Bei gesunden Sportlern hatte ihr Team die Meniskusfunktion unter Extrembelastung untersucht. Die Messungen per Ultraschall hatten ergeben, dass sich der Meniskus „aus dem Gelenk herausdrückt“, sich die Funktion nach einer „richtigen Pause“ von etwa zwei Wochen aber wieder normalisiert habe. Gleiches gelte für Knorpel: Sie zeigen physiologische Anpassungsreaktionen auf die Belastung, etwa einen Marathon. Diese seien aber reversibel.

„Sehnenrisse an Hüfte und Becken“ – dies war das letzte Thema unserer Fortbildung. Oberarzt Dr. med. Philipp Forkel erklärte Hintergründe von Muskelverletzungen, die durch Überlastungen, etwa beim Laufen, entstehen. Akute Verletzungen der Hamstrings – der Muskelgruppe an den hinteren Oberschenkeln – verursachen u. a. eine Kraftreduktion durch Verlust der Vorspannung, chronische Sitzbeschwerden sowie erwartbar Ischias Neuralgie, lokale Adhäsionen und Narben. Sehnenrisse können konservativ wie operativ behandelt werden. Eine OP ermögliche, Sehnengewebe exakt am richtigen Ort zu fixieren. Zunächst müsse eine exakte Diagnose und dann eine individuelle Therapie-Entscheidung getroffen werden – so früh wie möglich, um gute Ergebnisse zu erzielen und schneller in den Sport zurückkehren zu können.

Weil unsere Patienten häufig sowohl sportkardiologische, als auch sportorthopädische Fragestellungen haben, bieten wir – die Sportkardiologen und die Sportorthopäden am Klinikum rechts der Isar – eine gemeinsame Sprechstunde an. Für eine optimale, ganzheitliche medizinische Versorgung und Betreuung unserer Patienten arbeiten wir auch darüber hinaus eng zusammen. Bei Fragen melden Sie sich gerne bei uns!

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