„Herzinfarkt-Patienten können ihre 5-Jahres-Sterblichkeit um bis zu 50% senken“

Was für ein begeisternder Abend! Mehr als 300 Ärzte, Sportwissenschaftler, Physiotherapeuten, Sport-/Fitness-Trainer, Sportlehrer und Journalisten kamen zur prevenTUM-Fortbildung „Muskeln und Sehnen“ ins Klinikum rechts der Isar. Sie erfuhren neueste sportkardiologische und sportorthopädische Erkenntnisse, erlebten unterhaltsame Liegestützen-Vorführungen und hörten die bewegende Geschichte eines Patienten, der 2009 – im Alter von nur 39 Jahren – einen Herzinfarkt erlitten hatte und dank des neuen Programms „7Fit“ nun wieder Freude an körperlichem Training hat und sein ganzes Umfeld für mehr Bewegung motiviert. Veranstalter der Fortbildung waren Prof. Martin Halle, Ärztlicher Direktor unseres Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München sowie Prof. Andreas B. Imhoff, Leiter der Abteilung für Sportorthopädie am Klinikum rechts der Isar der TU München, die auch ihre enge Zusammenarbeit betonten. Am Klinikum rechts der Isar bieten sie eine gemeinsame Sprechstunde an.

Unter anderem wurden bei der Fortbildung diese Fragen beantwortet:
- Wie enorm wichtig sind unsere Muskeln für die Gesundheit und die Prävention von Krankheiten?
- Was kann man bei Sportverletzungen und Überlastungsschäden (u. a. Sportlerellenbogen, Sportlerschulter) tun?
- Wie kann man Verletzungen und Überlastungen durch ein gezieltes muskuläres Aufbautraining vorbeugen bzw. kann wie man damit die Therapie unterstützen?

Kurz nach seinem 50. Geburtstag begann Herzinfarkt-Patient Nikolaus mit unserem neuen Programm für Einsteiger: „7Fit – Fit in 7 Wochen mit 7 Minuten pro Tag“. Bei der prevenTUM-Fortbildung sprach er über das abwechslungsreiche, einfach umsetzbare Training und freute sich über sichtlich mehr Lebensqualität, Energie und ein paar Kilo weniger. Prof. Halle wies auch auf den bevorstehenden Start von „LAUF10!“ hin. 2007 hat das BR Fernsehen dieses Erfolgsprojekt gemeinsam mit uns und dem Bayerischen Leichtathletikverband ins Leben gerufen. Mehr als 40.000 Menschen in ganz Bayern nehmen inzwischen jedes Jahr daran teil. Mit unseren professionellen Trainingsplänen, angeleitet durch rund 200 Sportvereine und begleitet durch die „Abendschau“ nutzen sie die Gelegenheit, ihre Gesundheit, Ausdauer und Lebensqualität zu verbessern.

Für Sport sei es nie zu spät, erklärte Prof. Halle anhand von Studienergebnissen: „Medikamentös gut eingestellte Herzinfarkt-Patienten, die täglich 20 Minuten moderat trainieren (bspw. walken oder auf dem Ergometer radeln), senken ihre 5-Jahres-Sterblichkeit um bis zu 50 Prozent. Das sind sensationelle Zahlen.“ Der Kardiologe und Präventivmediziner betonte auch: „Wer lange sitzt, ist früher tot.“ Die Muskulatur sei für die Gesunderhaltung von zentraler Bedeutung: „Inaktivität und Übergewicht führen zu chronischen Entzündungsprozessen im Körper und erhöhen das Risiko u. a. für Typ-2-Diabetes, Arterienverkalkung, Demenz und Krebs.“ Die Organe seien durch ein körperliches Training beeinflussbar – damit lasse sich das Risiko für zahlreiche Volkskrankheiten senken. „Wer immer sportlich aktiv ist, bei dem beginnen Erkrankungen durchschnittlich rund 20 Jahre später als bei inaktiven, übergewichtigen Menschen.“

Ein regelmäßiges Ausdauertraining sei für die Prävention unverzichtbar, „gerne auch in höherer Intensität, um die Stammzellen zu mobilisieren.“ Wegen des Muskelabbaus werde bereits ab 55 Jahren ergänzendes, möglichst tägliches Krafttraining, immer wichtiger. Denn etwa ab dem 30. Lebensjahr baut der Mensch bis zu ein Prozent Muskeln pro Jahr ab. Die Muskeln werden nach und nach in Fett umgewandelt. „Wer nicht regelmäßig trainiert, besitzt zum 80. Geburtstag nur mehr rund 50 Prozent seiner einstigen Muskelmasse. Je höher das Alter, umso mehr spielt das Kraft- und Koordinationstraining eine Rolle, auch, um Stürzen vorzubeugen.“ Prof. Halle verwies in diesem Zusammenhang auch auf unsere Studie „bestform. Sport kennt kein Alter“. Auf Basis dieser Studie entwickeln wir derzeit ein universal einsetzbares Programm für körperliches Training in Senioreneinrichtungen. Hochbetagte trainieren hierfür zwei Mal wöchentlich an speziellen, altergerechten Kraftgeräten, denn Bewegungsmangel im Alter ist die maßgebliche Ursache für Stürze, Bettlägerigkeit und soziale Isolation. „Unsere ältere Studienteilnehmerin ist 104 Jahre alt.“

Mehr über unsere wissenschaftlichen Studien lesen Sie hier. Ergänzend verweisen wir auf unsere Publikationen sowie ausgewählte Presseveröffentlichungen.

Über „Sportlerellenbogen – Überlastung und Risse“ sprach Priv.-Doz. Dr. med. Sebastian Siebenlist, Oberarzt an der Abteilung für Sportorthopädie. Ob beim Handball, Beachvolleyball, Baseball, als Torwart oder Speerwerfer: Bei vielen Sportarten, vor allem Wurf-Sportarten, komme es zum Überdehnen eines Ellenbogens. Langfristig könnten dadurch schmerzhafte Überlastungen und Verletzungen entstehen. Ursache eines akuten Sehnenrisses seien oftmals permanente, zu hohe Zugbelastungen, etwa beim Gewichtheben. Priv.-Doz. Dr. med. Sebastian Siebenlist informierte über die therapeutischen Möglichkeiten im Falle einer Verletzung sowie über sinnvolle Prävention: Ein gezieltes Training der Muskulatur schütze die Bänder.

Dass Verletzungen der Sportlerschulter häufig ein großes Problem seien, bestätigte Dr. med. Bastian Scheiderer, ebenfalls Oberarzt an der Abteilung für Sportorthopädie. Eine Studie mit 347 Athleten (81 Wettkampf-, 266 Freizeitsportlern) zeigte, dass bei einer Rotatorenmanschettenruptur die „Return to sports“-Quote bei insgesamt nur 70 Prozent lag. Bei den Profis lag sie bei nur etwa 60 Prozent. Dr. Scheiderer betonte, wie wichtig Dehnübungen seien, um Verletzungen vorzubeugen.

Krafttraining lautetet das Thema von Julia Schönfeld, Sportwissenschaftlerin (M.Sc.) an unserem Zentrum für Prävention und Sportmedizin der TU München. Ein Krafttraining sei u. a. wichtig für den Muskelerhalt bzw. -aufbau sowie die Steigerung der Leistungsfähigkeit. Um die individuellen Ziele (den Soll-Zustand) zu erreichen, sollten jeweils Übungen mit Wiederholungen, Satzanzahl, Pausen und Intensität festgelegt werden. Ein individualisiertes Krafttraining sei immer sinnvoll, auch nach einer Verletzung oder Operation. Wer eine Woche ans Bett gefesselt ist, verliert bis zu 25 Prozent seiner Muskelmasse. Sei ein Bein verletzt, spreche nichts gegen ein Training des Oberkörpers bspw. mit dem Theraband. Um eventuelle Überlastungen zu vermeiden, sollte in der Therapie stets Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden. Selbst bei Krebs sei Krafttraining hilfreich, um Inaktivität und damit einhergehender, sinkender Muskelmasse und steigendem Fettanteil aktiv entgegenzuwirken - und nicht zuletzt, um die Krebstherapie besser durchstehen zu können. Ein Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche in moderater bis hoher Intensität habe sehr gute Ergebnisse gezeigt. Bei Knochenmetastasen dürfe wegen der Gefahr eines Bruchs jedoch der von Metastasen betroffene Bereich nicht trainiert werden. Weitere Informationen zu Sport und Krebs finden Sie auch in unserem „Aktiv gegen Krebs“-Flyer.

Alle Informationen zu unseren nächsten Fachveranstaltungen erhalten Sie unter www.sport.mri.tum.de/kongresse.

Nachberichte und Fotos zu unseren Fortbildungen, Symposien und Kongressen der vergangenen Monate finden Sie in unserem Veranstaltungsarchiv.  

Auf dem Gruppenfoto (oben) sehen Sie von links:
- Dr. med. Bastian Scheiderer, Oberarzt an der Abteilung für Sportorthopädie am Klinikum rechts der Isar 
- Prof. Dr. med. Martin Halle, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München
- Julia Schönfeld, Sportwissenschaftlerin (M.Sc.) am Zentrum für Prävention und Sportmedizin der TU München.
- Prof. Andreas B. Imhoff, Leiter der Abteilung für Sportorthopädie am Klinikum rechts der Isar
- Priv.-Doz. Dr. med. Sebastian Siebenlist, Oberarzt an der Abteilung für Sportorthopädie am Klinikum rechts der Isar 

Weitere Fotos der prevenTUM-Fortbildung „Muskeln und Sehnen“ sehen Sie auf unserer Facebook-Seite. Schauen Sie rein!

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