Studien / Herzinsuffizienz

 

SMARTEX-Studie

Gezieltes Training bis zur Belastungsgrenze kann die Prognose von Herzpatienten entscheidend verbessern. Frauen und Männer mit chronischer Herzmuskelschwäche können damit ihre Überlebenschancen deutlich erhöhen. Das hat die europäische SMARTEX-HF-Studie belegt, die wir ins Leben gerufen haben.

Die Ausgangssituation
Bis vor etwa zehn Jahren wurde körperliches Training bei Patienten mit Herzmuskelschwäche (eingeschränkte Pumpleistung des Herzens) nur sehr zurückhaltend empfohlen. Zu groß war die Angst vor gefährlichen Herzrhythmusstörungen und der Verschlechterung der Pumpleistung bei Zunahme der Herzarbeit unter körperlicher Belastung. 
Eine große amerikanische Studie hat 2009 gezeigt, dass ein regelmäßiges, moderates Training die Wiederaufnahme ins Krankenhaus wegen Verschlechterung der Herzkreislaufsituation vermindert. Durch den Sport hatte sich das ausgeleierte Herz remodelliert – ein zusätzlicher Effekt zu Medikamenten. Unklar war allerdings die Dosis, also die Intensität des Trainings.

Unsere Initiative
Wir wollten das bestmögliche, gleichermaßen verträgliche wie effektive Trainingsprogramm für Herzinsuffizienz-Patienten ermitteln. So haben wir zusammen mit Kollegen aus Trondheim, Kopenhagen, Antwerpen und Leipzig 261 Patienten mit mittlerer bis schwerer Herzinsuffizienz in sieben Ländern untersucht. Über zwölf Monate hinweg verglichen wir Trainingskonzepte hinsichtlich ihrer Tauglichkeit. Die Patienten teilten wir in drei Gruppen ein: moderates Training, hoch-intensives Intervalltraining, Kontrollgruppe. 

Ergebnisse – Vorteile für Patienten
Die Forschungsergebnisse der Studie zeigen: Die vorsichtige Strategie der Schonung ist unbegründet – Herzkranke profitieren von (hohen) Belastungen. Selbst bei hochintensivem Intervalltraining müssen keine Verschlechterung der Pumpfunktion der Herzkammer bzw. Herzrhythmusstörungen befürchtet werden. Die besten Effekte ergaben sich bei einem moderat-intensiven Training. 

Bewertung
Die SMARTEX-HF-Studie ist eine der weltweit größten Studien, die unterschiedliche Trainingsintensitäten auch über einen langen Beobachtungszeitraum von einem Jahr untersucht haben. Wir haben die Studie initiiert und waren neben Leipzig, Trondheim und Antwerpen einer der Haupt-Studienkoordinatoren. Die Studie wird als „Landmark-Studie“ bewertet und hat bei internationalen Kongressen große Beachtung gefunden.

Empfehlung für Patienten
Im Alleingang sollten Frauen und Männer mit Herzinsuffizienz keinesfalls ein körperliches Training durchführen. Vor Beginn raten wir ausdrücklich zu einem Gesundheitscheck zur Feststellung der individuellen körperlichen Belastbarkeit – unbedingt mit Herz-Ultraschall, Spiroergometrie, Stressechokardiographie. Auf Basis der Befunde können wir einen maßgeschneiderten Trainingsplan erstellen. Dieser sollte, gestützt durch regelmäßige Folgeuntersuchungen, fortlaufend angepasst werden.

OptimEx-Studie

Optimizing Exercise Training in Prevention and Treatment of Heart Failure with preserved ejection fraction (HFpEF)
(OptimEx-Studie, 2013-2017)

Bei der Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion – früher als "Diastolische Herzschwäche" bezeichnet – versteifen die Herzwände zunehmend. Dadurch entstehen Beschwerden wie Atemnot bei Belastung, Anschwellen der Beine durch vermehrte Wasseransammlung sowie eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Eine Behandlung mit Medikamenten ist bisher ohne nennenswerten Erfolg.

Die größten positiven Effekte zur Verbesserung der Beschwerden scheint ein körperliches Training zu haben, wobei die optimale Dosierung des Trainings bisher unklar ist. In der europaweiten wissenschaftlichen Studie OptimEx (Studienzentren: München, Berlin, Leipzig, Antwerpen/Belgien, Trondheim/Norwegen) sollen daher verschiedene Trainingsintensitäten verglichen werden.

Insgesamt 180 Studienteilnehmer werden dabei per Zufall einem moderaten kontinuierlichen Training, einem hochintensiven Intervalltraining oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Das körperliche Training findet auf dem Fahrradergometer statt, wobei drei Monate unter Anleitung und im Anschluss weitere neun Monate telemedizinisch betreut im häuslichen Umfeld durchgeführt werden. Die Ergebnisse werden in regelmäßigen Untersuchungen nach 3, 6 und 12 Monaten erhoben.

Die Studie ist von der EU gefördert (2013-2017).
Weitere Informationen: ClinicalTrials.gov (NCT02078947).

Ex-DHF-Studie

Exercise training in Diastolic Heart Failure

Ausgangssituation:
Die diastolische Herzinsuffizienz oder Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion ist eine Erkrankung, die mit einer Zunahme der Steifigkeit der linken Herzkammer einhergeht. Die Patienten haben typischerweise Luftnot bei Belastung, eine reduzierte Leistungsfähigkeit, Lebensqualität sowie Lebenserwartung. Die bisherige Therapie mit Medikamenten hat sich als unbefriedigend herausgestellt und verbessert kaum die Prognose der Erkrankung.
In einer Pilotstudie (Ex-DHF-P) konnte gezeigt werden, dass körperliches Training diesen Menschen besonders gut helfen kann. So verbessert ein gezieltes Kraft- und Ausdauertraining von 3x pro Woche die Steifigkeit des Herzens und erhöht damit die Belastbarkeit der Patienten.

Fragestellung:
Das Ziel der Ex-DHF-Studie: die genaue Untersuchung, inwieweit bei Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz ein gezieltes körperliches Training die Symptome, die Belastbarkeit sowie die Steifigkeit des Herzens verbessern kann.

Studiendesign:
In unserer multizentrischen Studie (Ex-DHF, ISRCTN86879094) werden 320 Patienten nach dem Zufallsprinzip einer Trainings- oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Während die erste Gruppe ein Jahr aktiv und unter Anleitung trainiert, erhält die zweite nur Empfehlungen. Nach den 12 Monaten werden die Trainingseffekte auf Leistungsfähigkeit, Herzmuskelfunktion und Lebensqualität festgestellt.
Die Rekrutierung ist seit 03/2016 beendet.

Bewertung:
Die Studie ist die bisher größte in Europa durchgeführte randomisierte und prospektive Trainingsstudie.

Finanzierung:
Die Ex-DHF-Studie wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.

Sie möchten sich bei uns untersuchen und beraten lassen?
Wir sind gerne für Sie da!

zur Terminvereinbarung