2018

„30 Mio. für den bayer. Sport“ (Sportschule Oberhaching): Stellungnahme

Falsche Behauptungen von BLSV-Vizepräsident Harald Stempfer über Sportmedizin in Bayern, um Fördergelder zu erhalten


Für 30 Millionen Euro soll die Sportschule Oberhaching saniert und modernisiert werden. Gegenüber des Innenausschusses des Bayerischen Landtags und der Presse erklärte BLSV-Vizepräsident Harald Stempfer, dass die medizinische Betreuung der Spitzensportler in Bayern „verbesserungswürdig“ sei und dass die bayerischen Spitzensportler für die Leistungsdiagnostik eine vier Stunden lange Autofahrt nach Leipzig in Kauf nehmen müssten.
 
Diese Aussagen sind falsch. Sie verwundern insbesondere deshalb, da offensichtlich vom Vizepräsidenten des BLSV keine Kenntnisse zu aktuellen Strukturen im bayerischen Leistungssport vorliegen oder diese gezielt nicht richtig dargestellt werden, um öffentliche Gelder für die Sportschule Oberhaching zu erhalten.

Lesen Sie hierzu eine Stellungnahme von:
- Univ.-Prof. Dr. med. Martin Halle (Ärztlicher Direktor Sportmedizin, TU München)
- Klaus Pohlen (Leiter Olympiastützpunkt Bayern)
- und Prof. Dr. Ansgar Schwirtz (Dekan Fakultät Sport- und Gesundheitswissenschaften, TU München)

Pressekontakt für Interviewanfragen:
Heidi Willmann, 08142 / 284 2554, 0179 / 39 86 809, h.willmann@gespraechsstoff.com
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Zeitumstellung als Herausforderung – Dr. Scherr bei Olympia

Portrait Oberarzt Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Scherr

Die Zeitumstellung bezeichnet Dr. Johannes Scherr, Leitender Oberarzt des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München, als besondere Herausforderung für die deutschen Olympiastarter in Pyeongchang. Der Facharzt für Innere Medizin und Sportmedizin sowie Bereichsleiter Leistungssport ist zum dritten Mal als Olympiaarzt tätig. Im Interview hat er uns verraten, wie er und seine Kollegen die Athleten präventiv betreuen, wann sie Sportlern von einem Start abraten und ob er Streif-Sieger Thomas Dreßen zutraut, der nächste deutsche Ski-Olympiasieger zu werden.

Als Leitender Disziplinarzt Ski alpin des DSV werden Sie in Pyeongchang zum dritten Mal bei Olympischen Winterspielen tätig sein. Wie bereiten Sie sich vor?
„Die Vorbereitung läuft schon seit Monaten – angefangen von einem Vorbereitungs-Seminar des DOSB bis zu Betreuung unserer Athleten bei Testwettkämpfen vor Ort. Je näher es auf die Spiele zugeht, erfolgt eine immer engere Abstimmung mit dem Betreuer- und Trainerstab.“
 
154 deutsche Sportler werden in Pyeongchang starten. Sie und Ihre Ärztekollegen haben mehrere Dutzend potentielle Patienten. Wie unterstützen Sie die Sportler präventiv?
„Aus internistischer Sicht bin ich für Ski Alpin, Ski Cross, Buckelpiste, Halfpipe und Slopestyle zuständig, beratend noch für Skisprung. Unser Ziel ist, das Ausfallsrisiko – sei es durch Erkrankungen wie Magen-Darm-Grippe oder Verletzungen – so gering wie möglich zu halten. Aktuell haben wir ein Merkblatt für Athleten zur Infektprophylaxe erstellt. Dann arbeiten wir noch mit Chronobiologen zusammen, damit die Zeitumstellung möglichst gut vertragen wird.“  

Welche weiteren Aufgaben haben Sie vor Ort?
„Die Betreuung der Athleten bei den Wettkämpfen sowie im Falle von Erkrankungen auch außerhalb der Wettkämpfe. Außerdem bin ich für die medizinische Betreuung des gesamten Betreuerteams sowie einiger VIP-Gäste zuständig.“

Wie werden Ihre Arbeitstage aussehen?
„Lang. Meist geht es morgens um etwa 6 Uhr mit der Mannschaft an den Berg bzw. die Wettkampfstätte, um dann beim Training bzw. Wettkampf dabei zu sein. Meist sind mehrere Sportarten an einem Tag zu betreuen. Dann Wechsel zwischen den Wettkampfstrecken. Nach Rückkehr in die Unterkunft versorgen wir die Athleten, um so eventuelle Erkrankungen möglichst frühzeitig optimal zu behandeln. Bevor unser Tag zu Ende ist, kümmern wir uns noch um die administrative Arbeit – Stichwort Dokumentation.“

Welche besonderen Herausforderungen kommen in Pyeongchang auf die Athleten zu? Was kann sich auf die Leistungsfähigkeit auswirken?
„Definitiv die Zeitumstellung. Pyeongchang ist der Mitteleuropäischen Zeit um acht Stunden voraus. Für Wettkämpfe, die nach der dortigen Ortszeit am Abend sein werden, ist dies nicht so schlimm. Für die Athleten, die schon am Morgen dran sind, sollte eine möglichst frühzeitige Umstellung angestrebt werden.“

Nach einer Virusgrippe ist Viktoria Rebensburg wieder in Goldform. Welche Untersuchungen ermöglichen es Ihnen und Ihren Kollegen, kurzfristig zu entscheiden, ob ein Sportler bei bzw. nach einer Infektionskrankheit der Wettkampfbelastung gewachsen ist? Wann raten Sie von einem Start ab?
„Dank unserer klinischen Erfahrung und der jahrelangen Zusammenarbeit mit den Athleten kennen wir diese sehr gut. Das heißt, wir wissen, wann wir einen Athleten „rausnehmen“ müssen. Somit spielen Anamnese und klinische Untersuchung eine ganz zentrale Rolle. Unterstützend können Laboruntersuchungen herangezogen werden. Die letzte Entscheidung trifft jedoch der Athlet selbst. Unvergessen, wie Maria Riesch bei der Ski-WM 2011 von einer Virusgrippe ausgebremst wurde. Damals betonte ich: „Von den letzten Blutwerten her kann sie starten. Aber es sind nicht Blutwerte, die den Berg runterfahren, sondern es ist Maria.“ Von Wettkampfbelastungen raten wir auf jeden Fall bei Vorliegen systemischer Entzündungszeichen wie Fieber oder Husten ab.“

Mit Felix Neureuther und Stefan Luitz fallen zwei Medaillenkandidaten weg. Trauen Sie Streif-Sieger Thomas Dreßen zu, der nächste deutsche Ski-Olympiasieger zu werden?
„Thomas hat gezeigt, dass er sich in der Weltspitze etabliert hat. Diese Saison hat er schon einige Top-Resultate erzielen können. Da es sich bei Ski Alpin um einen Outdoor-Sport handelt, kann man mit dem entsprechenden Können und ein bißchen Glück wie zum Beispiel beim Wetter auch als Überraschungsmann gewinnen. Ich denke, es ist nicht ausgeschlossen, dass er ganz vorne mitfährt. Ob es letztlich dann für das Podest oder gar den Sieg reicht, hängt auch von der Tagesform ab, da die Leistungsdichte der Herren so groß ist, dass es vorne wie zuletzt beim Weltcup in Garmisch-Partenkirchen ganz eng zugeht.“

Mittwoch, 28.2.2018: prevenTUM-Fortbildung „Muskeln. Sehnen. Herz.“

Winterzeit ist Erkältungszeit. Geben Sportler nach einem Virusinfekt zu früh wieder Gas, kann der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen werden. Im schlimmsten Fall droht der plötzliche Herztod. Auch eine permanente Herzschwäche kann die Folge sein. Wie gefährlich ist Sport bei Infekten? Wie lässt sich feststellen, wann Sportler wieder trainieren dürfen? Und welche Behandlungen helfen, wenn es durch Fehl- bzw. Überbelastungen zu Sehnen- und Muskelverletzungen gekommen ist – wann konservativ, wann minimal-invasiv operativ vorgehen?

Gemeinsam mit Experten präsentieren und diskutieren wir bei dieser Fachveranstaltung neueste sportkardiologische und sportorthopädische Erkenntnisse und geben konkrete Empfehlungen für den Praxisalltag.

Ärzte, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler, Trainer und Journalisten laden wir herzlich ein zur:
- kostenfreien prevenTUM-Fortbildung „Muskeln. Sehnen. Herz. Die Sportklinik am MRI stellt sich vor.“
- am Mittwoch, 28. Februar
- ab 18:15 Uhr
- im Klinikum rechts der Isar (Hörsaal A), Ismaninger Straße 22, München
- Veranstalter: Zentrum für Prävention und Sportmedizin (Univ.-Prof. Halle)
  und Abteilung für Sportorthopädie, Klinikum rechts der Isar (Univ.-Prof. Imhoff)

Linktipps:
- Programm
- Registrierung

Wir freuen uns auf Sie!

Münchner Ärztliche Anzeigen: Titelthema „Bewegung als Medikament“

Um Sport als Medizin zu nutzen, brauchen Patienten „unbedingt eine klare Anweisung“ – dazu fordert unser Ärztlicher Direktor, Professor Martin Halle, Ärztekollegen in der Fachzeitschrift Münchner Ärztliche Anzeigen (Ausgabe 02/2018) auf. „Ich sage zu Ihnen ja auch nicht: „Hier haben Sie eine Tüte mit Medikamenten. Suchen Sie sich mal eines heraus, das Ihnen am besten schmeckt.“

Das ganze Interview (3 Seiten) lesen Sie im PDF.

Professor Halle macht sich für ein individuelles, körperliches Training stark. Er beschreibt eindrucksvoll bedeutende Studienergebnisse und den Erfolg maßgeschneiderter Sporttherapien für Patienten mit verschiedensten Erkrankungen – ob nach Herzinfarkt, bei Vorhofflimmern oder Diabetes.

Das Feld der Sportkardiologie entwickle sich immer mehr. Auf die Frage, was die Zukunft seiner Ansicht nach bringen kann, antwortete er:
„... Mit der Sportkardiologie können wir noch viel für die Lebensqualität der Patienten herausholen. Künftig wird es darum gehen, für unterschiedliche Indikationen ein Trainingsprogramm klar zu definieren, zu überwachen und sich telemonitorisch an die niedergelassenen Kardiologen und die Allgemeinärzte anzudocken. Ich bin sicher, dass Hausärztinnen und Hausärzte in wenigen Jahren an der elektronischen Patientenkarte nicht nur die Medikation, sondern auch die Aktivität des Patienten ablesen werden. Unsere bisher durchgeführten Multicenter-Studien gehen in diese Richtung. Weitere Zentren in Deutschland nehmen das Thema auf und kommen für Information und Schulung hierher. Durch dieses Schneeballsystem wird die Kompetenz deutschlandweit größer werden.“

Veranstaltungstipp: prevenTUM-Fortbildung „Muskeln. Sehnen. Herz.“ am 28.02.2018

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