„Frau und Sport“, „Knie und Herz“ und EAPC Sports Cardiology Course

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Sport nicht mit Druck verbinden und eine Not to do-Liste aufstellen – dies rät Gynäkologin Dr. med. Silke Bartens (Buch „Frauensprechstunde“) ihren Patientinnen. Dass Mädchen und Frauen heute „ständig verunsichert werden und sich optimieren wollen“, erlebe sie tagtäglich in ihrer Praxis, sagte sie bei unserer Fortbildung „Frau und Sport" vor fast 400 Ärzten, Sportwissenschaftlern, Physiotherapeuten, Trainern und Journalisten. Immer mehr Patientinnen hätten eine gestörte Körperwahrnehmung, Essstörungen und ein geringes Selbstwertgefühl. Permanent ginge es um Leistung – etwa, wenn andere dünner, schöner oder sportlich erfolgreicher seien, oder wenn bspw. bereits 25-jährige Frauen Fruchtbarkeitskalender-Apps nutzen. Der gesteigerte Erwartungsdruck und das ständige Optimieren verschaffe Stress. „Die meiste Zeit bin ich damit beschäftigt, Patientinnen zu sagen: Körperlich ist alles in Ordnung, entspannen Sie sich.“ Ärztekollegen nahm sie in die „Pflicht: Wir müssen mehr mit den Patienten reden, weniger untersuchen.“

Bewegung sei für Frauen eine wichtige Maßnahme – immer, aber auch und speziell bei Überforderung, Wechseljahresbeschwerden sowie Krebs. Die Empfehlung von Dr. Bartens: „Bewegung ist wichtig, aber wir sollten den Leistungsanspruch nach unten schrauben und klein anfangen“, etwa durch Walken. Ärzte dürften nicht in Aktionismus verfallen, sondern müssten schauen, was die Patientin brauche. „Manchmal braucht sie auch einfach Ruhe.“

Die Folgen von Essstörungen bei Frauen beobachtet auch Referentin Dr. med. Katrin Esefeld. Die dreifache Triathlon-Weltmeisterin (Altersklasse) ist seit zehn Jahren als Ärztin an unserem Zentrum für Prävention und Sportmedizin der TU München tätig. Der „Female Athlete Triad“ sei verbreitet, Ärzte müssten aufmerksam sein, Patientinnen unterstützen und auch an Psychologen und Ernährungsberater verweisen. Der weibliche Athleten-Dreiklang bezeichnet das Auftreten dreier Symptome:
- Essstörung
- Menstruationsstörungen, später Ausbleiben der Regelblutung
- Osteoporose (Knochenschwund) und damit u. a. die Gefahr von Ermüdungsbrüchen

Auslöser für die typisch weibliche Erkrankung Sportanorexie: Zu viel Sport, zu wenig essen – und das über einen langen Zeitraum, mit dem Ziel, abzunehmen. Davon betroffen seien vor allem junge Frauen, häufig aus:
- ästhetischen Sportarten wie Ballett, Rhythmische Sportgymnastik oder Eiskunstlauf
- Ausdauersportarten wie Triathlon oder Langstreckenlauf
- Gewichtsklassensportarten wie Judo oder Ringen
- weiteren Sportarten, bei denen das Gewicht die Leistung beeinflusst, etwa Skispringen oder Klettern

Bei Frauen aus Ballsportarten gebe es den „Female Athlete Triad“ dagegen quasi nicht. „Wenn beim Fußball eine zarte 45 Kilo-Frau in der Abwehr steht, freut sich der Gegner“, so Dr. Esefeld. Nach einer Stressfraktur würden Athletinnen oft lange nicht in den Sport zurückkommen, häufig in der Sportpause unfreiwillig zunehmen und hätten ein erhöhtes Risiko für depressive Verstimmungen. Rund 70 Prozent der Profisportlerinnen seien von sekundärer Amenorrhö (Ausbleiben der Periode) betroffen, im Vergleich zu zwei bis fünf Prozent der Normalbevölkerung. Um Zyklusstörungen vorzubeugen bzw. diese abzuklären und zu besprechen, bekommen im Zentrum für Prävention und Sportmedizin der TU München alle Patientinnen einen gynäkologischen Fragebogen, berichtete Dr. Esefeld.

In ihrem Vortrag ging die Medizinerin außerdem auf die physiologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern und deren Auswirkungen auf die körperliche Leistungsfähigkeit ein: Frauen sind in der Regel kleiner und leichter, haben weniger Muskelmasse und mehr Körperfett. Herz und Lunge sind bei Frauen kleiner als bei Männern. Trainieren beide Geschlechter gemeinsam, seien Männer bei Kraftsportarten stets im Vorteil, bei längeren Ausdauereinheiten dagegen (etwa beim Schwimmen) sei der Unterschied dagegen deutlich geringer. Vom plötzlichen Herztod seien Männer wesentlich häufiger betroffen als Frauen.

Wie beeinflussen Hormone die körperliche Leistungsfähigkeit? Vor allem in der prämenstruellen Phase – den Tagen vor den „Tagen“ – gebe es große individuelle Unterschiede, erklärte Dr. Esefeld. Viele seien deutlich leistungsschwächer, die anderen merkten dagegen kaum einen Unterschied. Die Ärztin weiß: Viele Profisportlerinnen nutzen die „Pille“ für eine höhere Leistungsstabilität und auch, um damit ihre Periode zu verschieben, etwa, wenn Wettkämpfe in der prämenstruellen Phase stattfinden würden.

Zur Prävention:
Wie sieht das ideale gesundheitsorientierte Training aus? Durch einen aktiven Lebensstil ab 150 MET-Minuten pro Woche können Erwachsene ihre Gesundheit und ihre Lebensqualität erhalten und ihr Risiko für zahlreiche Krankheiten senken bzw. bei vorhandenen Erkrankungen zum Behandlungserfolg beitragen. Lesen Sie dazu unsere Gesundheitssport-Broschüre.

Über Sport während und nach der Schwangerschaft sprach Dr. med. Viktoria Ritter von der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde am Klinikum rechts der Isar. Gleich zu Beginn erklärte sie: Die meiste körperliche Aktivität von schwangeren Frauen sei nicht Sport, sondern Hausarbeit. In ihrem Vortrag ging sie unter anderem auf die Vorteile körperlicher Aktivität für Schwangere ein: Wer sich während der neun Monate viel bewege, habe u. a. seltener unter Rückenschmerzen aufgrund der Gewichtszunahme zu leiden sowie ein geringeres Risiko für einen Kaiserschnitt.

Schwangeren rät sie zu einer Kombination aus Ausdauer-, Kraft- und Koordinationstraining – „beim Krafttraining niedrige Widerstände verwenden, viele Wiederholungen durchführen“. Körperliche Aktivität helfe auch im Wochenbett und in der Zeit der Rückbildung: Aktive Frauen leider seltener unter postpartalen Depressionen, Inkontinenz sowie sexueller Dysfunktion.

Den Abschluss unserer prevenTUM-Fortbildung bildete ein kurzweiliger Talk unseres Ärztlichen Direktors Professor Martin Halle mit Sandra Mastropietro, Ultraläuferin, Bloggerin und Autorin (Buch Läuferleben). Die 30-jährige Fremdsprachenkorrespondentin erntete viele Lacher, als sie erzählte, wie sie nach der Geburt ihrer inzwischen sechsjährigen Tochter zum Laufen gefunden hatte. „Vorher fand ich Laufen immer doof“. Bald aber merkte sie, dass sie damit – zeitlich flexibel – gut abschalten, Kraft tanken und fit werden konnte. Anfangs sei sie von Laterne zu Laterne gelaufen, wieder gegangen und wieder gelaufen. Irgendwann habe sie 30 Minuten am Stück geschafft. Nachdem eine Freundin sie schließlich zu einem Halbmarathon mitgenommen hatte, war sie „angefixt.“

Die sympathische Autorin lief bereits 125 Kilometer über den Polarkreis, nahm an Marathons u. a. in Jerusalem, Mumbai und Tokio teil. Im April hat sie den dritten Platz bei ihrer ersten Deutsche Meisterschaft im Straßenlauf über 50 km belegt. Vor gut zwei Wochen hat sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Sebastian Hallmann (Gewinner des Wings for Life World Runs 2017 in München) am Wings for Life World Run in Georgien teilgenommen. Im Sommer wird Sandra Mastropietro zum zweiten Mal den Transalpine Run bestreiten. Sie sagt: „Laufen hat mein Leben verändert“.


Das sind unsere nächsten Top-Veranstaltungen für das Fachpublikum (Ärzte, Sport- und Ernährungswissenschaftler, Studenten der Medizin, Sport- und Ernährungswissenschaft, Physiotherapeuten sowie Medizinjournalisten):

- 4. Juli: prevenTUM-Fortbildung „Knie und Sport“

- 29.-30. August: EAPC Sports Cardiology Course
Direkt nach dem ESC-Kongress stellen internationale Top-Experten am Klinikum rechts der Isar spannende sportkardiologische Fälle vor. Nutzen Sie die Gelegenheit für 1,5 Tage geballte Information. Diskutieren Sie mit den hochkarätigen Experten während und nach den Sitzungen. Sichern Sie sich jetzt einen der begehrten Plätze!

- 24. Oktober: prevenTUM-Fortbildung „Impfungen“

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