Patientenforum „Bewegung und Sport – dem Krebs davonlaufen?“


Krebspatienten sollten sich ausruhen, um die Behandlung besser überstehen zu können. Diese Auffassung ist längst überholt – das haben zahlreiche wissenschaftliche Studien der vergangenen Jahre gezeigt. „Krebspatienten profitieren enorm von körperlicher Aktivität. Ein maßgeschneidertes Bewegungs- und Sporttraining gehört daher unbedingt in das Konzept der ganzheitlichen, optimierten Krebstherapie – zusammen mit einer angepassten Ernährung und psychologischer Unterstützung“, erklärte unser Ärztlicher Direktor Professor Martin Halle beim Patientenforum „Bewegung und Sport: Kann ich dem Krebs davonlaufen?“ am 14.03.2018 im Hörsaal der Augenklinik in München (Veranstaltungsflyer). Er setzt auf Bewegung statt Schonung.

Mehr als 100 Münchner
nahmen am Forum teil. Wer nicht dabei sein konnte, für den haben wir hier wichtige Informationen zusammengefasst.

Flyer „Aktiv gegen Krebs“
Buch „Lauf dem Krebs davon - Die Kraft des Sports zur Genesung nutzen“

Professor Halle betonte: „Es geht nicht darum, eine Chemotherapie durch Sport zu ersetzen – es geht darum, die Lebensqualität zu verbessern. Aus unseren großen Studien wissen wir auch: Je fitter ein Patient in eine Tumortherapie geht, umso besser verträgt er sie. Körperliche Aktivität holt Patienten aus ihrer Schockstarre. Eine Sporttherapie ermöglicht ihnen, das Heft wieder ein Stück weit selbst in die Hand zu nehmen. Wir empfehlen daher: Mit dem ersten Tag der Diagnose muss das Training beginnen.“ Mit einem individuellen, moderaten Bewegungstraining sowie ernährungsmedizinischen Maßnahmen unterstützen wir Patienten in allen Phasen einer Krebstherapie. Wir sind Vorreiter von „Sport als Medizin“ und dosieren körperliches Training wie ein Medikament („Sport auf Rezept“). Bereits 2008 haben wir eine Spezialambulanz für „Sport und Ernährung bei Krebs“ eingerichtet.

Krebs ist die zweithäufigste Todesursache weltweit. Die Bedeutung des Lebensstils für die Prävention stellte unsere Ärztin Dr. Bianca Spanier heraus. Sie leitet unsere Studien zu „Krebs und Sport“. Fünf Faktoren seien zusammengerechnet für rund ein Drittel aller Krebsfälle verantwortlich:
- Rauchen
- Alkohol
- schlechte Ernährung
- Übergewicht
- Inaktivität

„Diese fünf Faktoren sind beeinflussbar – das heißt, wir können unser Risiko durch einen gesunden Lebensstil senken.“ Was, wenn man bereits an Krebs erkrankt ist? Hierzu verwies Dr. Spanier u. a. auf Daten aus 12 Beobachtungsstudien mit 1,44 Millionen Personen und 26 Krebsarten. Diese Studien ergaben: Regelmäßige körperliche Aktivität senkt das Risiko der Krebs-Sterblichkeit bei Darmkrebs um 24 Prozent und bei Brustkrebs um 25 bis 30 Prozent.

Etwa 60 bis 80 Prozent der Krebspatienten sind vom Fatigue-Syndrom betroffen. Durch eine individuelle Bewegungstherapie lässt sich die anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung sehr gut beeinflussen – das Wohlbefinden und die Vitalität steigen. Insgesamt gilt: Je ausgeprägter die Fatigue-Symptomatik, umso moderater muss die Bewegungstherapie sein.

Große Studien belegen zudem: Eine Bewegungs- bzw. Sporttherapie ermöglicht es, die Krebsbehandlung besser durchzustehen. Sie verbessert das Immunsystem, mindert Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie (u. a. Übelkeit, Magen-Darm-Probleme, Gewichtsveränderungen, Schmerzen, Schlafprobleme) und gilt als sicher, auch während einer Chemotherapie. Eine individuelle Betreuung durch geschultes Personal sei jedoch wichtig.

Seit bereits zehn Jahren betreut unsere Sportwissenschaftlerin Anika Berling-Ernst Krebssportgruppen. „Wir möchten Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen“, erklärte sie und gab praktische Tipps zur Bewilligung einer Bewegungs- bzw. Sporttherapie über Krankenkassen (Formular 56) und die Rentenversicherung (Formular G850). Sie nahm Betroffenen Berührungsängste, indem sie veranschaulichte, wie individuell Trainer auf jeden einzelnen Patienten eingehen - ob bei Brustkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs oder anderen Krebsarten. Sie berichtete aus ihrer langjährigen Erfahrung und der neuen Lebensqualität, die die körperliche Aktivität Betroffenen ermöglicht. Auch bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung sei es nicht zu spät, um anzufangen. Und niemand müsse sich überfordern – ohnehin seien fünf Mal wöchentlich zehn Minuten Training besser als ein Mal pro Woche 50 Minuten.

Vorteile einer Bewegungs-/Sporttherapie für Krebspatienten
✓ Positiver Einfluss auf die Psyche
✓ Verbesserung der Lebensqualität
✓ Verbesserung der Körperwahrnehmung
✓ Verminderung des Erschöpfungs- und Müdigkeitssyndroms (Fatigue-Symptomatik)
✓ Wiedererlangen bzw. Erhalt von Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit
✓ Besseres Durchstehen von Chemo-, Strahlen- oder Hormontherapie
✓ Besseres Ansprechen der Krebstherapie
✓ Weniger Nebenwirkungen wie Übelkeit, Magen-Darm-Probleme, Gewichtsveränderungen, Schmerzen
✓ Bei einigen Krebsarten Verbesserung der Prognose

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