Sport nach Covid-19

Sportpause und Sporttauglichkeitsuntersuchung, um Risiken durch ein zu frühes Training zu vermeiden

„Bei der Lunge merken Sie, wenn etwas nicht stimmt. Sie husten oder haben Atemnot. Das Herz spüren Sie nicht. Gerade bei Jüngeren, auch bei Sportlern, ist das eine große Gefahr. Sie spüren nicht, dass das Herz ein Problem hat und trainieren einfach weiter“, erklärte Univ.-Prof. Martin Halle, Direktor der Präventiven Sportmedizin und Sportkardiologie der TU München, im Interview mit www.spiegel.de. Der Anlass: Ein Eishockey-Profi war nach einer milde verlaufenen Corona-Infektion an einer Herzmuskelentzündung erkrankt. Ein Zufallsbefund, als er wieder ins Training einsteigen sollte. Der 25-Jährige hatte großes Glück – und ist kein Einzelfall. Seit Beginn der Pandemie hat unser Team viele Athleten begleitet, die an Sars-CoV-2 erkrankt waren. Sportkardiologe Prof. Halle: „Es kommen immer mehr Sportler zu uns, die sagen: Ich hatte Corona und komme seitdem nicht mehr auf die Beine.“

Um gefährliche Komplikationen wie eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis), Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie, Tachykardie), Vernarbungen an der Lunge (Fibrosen) oder Gefäßverschlüsse (Embolien, Thrombosen) zu vermeiden, sollten Freizeit- und Leistungssportler nach einem positiven Covid-19-Test eine ausreichende Sportpause einlegen und vor dem Wiedereinstieg ins Training ihren Gesundheitsstatus und ihre körperliche Belastbarkeit untersuchen lassen. Eine sogenannte Sporttauglichkeitsuntersuchung inklusive Ruhe-EKG empfehlen wir selbst bei einem symptomfreien Verlauf, denn Covid-19 führt auch zu einer Entzündung der Blutgefäße. Eine Untersuchung ermöglicht unter anderem, festzustellen, ob noch Entzündungszeichen vorliegen. Intensive sportliche Belastungen während einer Entzündung können schwerwiegende Folgen haben, bis zum Herzstillstand oder plötzlichen Herztod. Mehr hierzu erklären wir auch in unserem Webinar „Freizeitsport: Wiedereinstieg ins Training nach Covid-19-Erkrankung“ (Aufzeichnung). Weitere Informationen finden Sie in zahlreichen Presseveröffentlichungen, u. a. der Abendzeitung (PDF) und www.handelsblatt.com.

Vereinbaren Sie gerne einen Termin bei uns, wenn Sie nach einer Covid-19-Erkrankung wieder sicher Sport treiben möchten. Wir untersuchen Sie umfassend mit Fokus auf Herz und Lunge und beraten Sie individuell, was wieder möglich ist und womit Sie gegebenenfalls noch warten sollten. Wir sind die größte Ambulanz für Prävention und Sportmedizin und die führende für Sportkardiologie in Deutschland. Die Fachgesellschaft European Association of Preventive Cardiology (EAPC) der European Society of Cardiology (ESC) hat uns als „Europäisches Zentrum für Sportkardiologie“ akkreditiert, als bisher einziges in Deutschland. Als Universitätsklinik verfügen wir über modernste Diagnostik.

Covid-19 kann die Leistungsfähigkeit stark einschränken

„Sportler sollten Covid-19 nicht unterschätzen, auch wenn sie keine Symptome hatten“, mahnt Prof. Halle. Wer asymptomatisch an Covid-19 erkrankt und weiter intensiv trainiert, riskiert unter anderem eine Herzmuskelentzündung und setzt sich der Gefahr aus, den Verlauf der Krankheit negativ zu beeinflussen. Zwar fehlen noch Langzeitverläufe und große wissenschaftliche Studien, die helfen, Athleten vor den Folgen einer Covid-19-Erkrankung zu schützen. Allerdings gibt es viele, auch durch unser Team betreute, junge und eigentlich gesunde Athleten, die keinen schweren Verlauf, dennoch anschließend Veränderungen an Herz oder Lunge hatten, welche deren Leistungsfähigkeit über Wochen, teils sogar Monate, stark beeinträchtigt haben.

Herzstolpern, Herzrasen oder Luftnot unter Belastung sind nur einige Symptome, die wir bei Sporttreibenden nach einer Covid-19-Erkrankung festgestellt haben.

„Falscher Ehrgeiz kann lebensgefährlich sein“

Weil eine Covid-19-Erkrankung bei vielen Freizeit- und Leistungssportlern mild oder symptomfrei verläuft, möchten diese in der Regel bereits nach kurzer Sportpause ihr Training wieder aufnehmen. Zahlreiche Athleten erleben zudem Druck durch Trainer und Mannschaftskollegen beziehungsweise Trainingspartner. Wir raten Betroffenen, sich gründlich auszukurieren. „Falscher Ehrgeiz kann lebensgefährlich sein“, mahnt Prof. Halle. „Ein zu früher Wiedereinstieg ins Training nach einer Covid-19-Erkrankung kann mit einem höheren Risiko für eine Herzmuskelentzündung oder gefährliche Herzrhythmusstörungen verbunden sein.“

Aus Erfahrungen mit anderen Infekten wie der Grippe (Influenza) wissen wir: Wenn man sich nicht gründlich auskuriert, kann das Virus schneller und tiefer in die Atemwege eindringen, sich dort stärker reproduzieren und massiven Schaden anrichten. Auch nach überstandener Krankheit ist Vorsicht geboten. Noch wissen wir Mediziner nicht, ob Folgeschäden dauerhaft bleiben oder nur eine längere Regeneration nötig ist. Verlaufsstudien werden dies zeigen. Im Einzelfall kann eine Verlaufskontrolle beim Sportkardiologen erforderlich sein.

Entzündung der Blutgefäße

Covid-19 befällt nicht nur die Atemwege. Das Virus kann im ganzen Körper enormen Schaden anrichten und sogar zu einem Multiorganversagen führen. Der Grund: Covid-19 befällt die schützende Gefäßinnenhaut (das Endothel) und verursacht eine systemische Entzündung der Blutgefäße. Über die Entzündung der Mikrogefäße kann es zu Funktionseinschränkungen und Schäden unter anderem am Herzen, den Nieren, der Leber und dem Gehirn kommen. Organe können unbemerkt und nachhaltig geschädigt werden.

Tests wie die Spiroergometrie geben Aufschluss über die individuelle körperliche Belastbarkeit. Bei der Spiroergometrie messen wir in der Atemmaske die Leistungsfähigkeit des Kreislaufs, der Lunge und des Herzens.

So lange sollten Sie mit Sport pausieren

Die Dauer der Sportpause sollte entsprechend des Schweregrads der Covid-19-Erkrankung ausfallen:

  • Keine Symptome
    Bei einer Covid-19-Erkrankung mit symptomfreiem Verlauf sollten Sie dennoch mindestens 14 Tage auf Ihr Training verzichten.

  • Milde Symptome
    Bei Krankheitsanzeichen wie Husten oder Fieber sollten Sie zwei bis eher vier Wochen auf Ihr Training verzichten.

  • Lungenentzündung
    Bei einer Lungenentzündung sollten sie mindestens vier Wochen auf Sport und körperliche Belastungen verzichten.

  • Herzmuskelentzündung
    Tritt eine Herzmuskelentzündung auf, sollte Ihre Sportpause mindestens drei Monate andauern und ein Sportkardiologe sollte den Verlauf kontrollieren.
Sporttauglichkeitsuntersuchung, um sicher trainieren zu können

Die Sportpause alleine gibt keine vollständige Sicherheit. Um gesundheitliche Risiken durch einen zu frühen Wiedereinstieg ins Training zu minimieren, sollte nach gründlich auskurierter Covid-19-Erkrankung unbedingt ein internistisch-kardiologischer Gesundheitscheck erfolgen. Auf diese Weise lässt sich eine eventuelle Mitbeteiligung des Herzens (etwa eine Herzmuskelentzündung) oder der Lunge (beispielsweise einen Lungenentzündung) prüfen. Außerdem sollten verschiedene Blutwerte bestimmt werden, unter anderem, um die Entzündungswerte zu ermitteln.

Mögliche Bestandteile* der Sporttauglichkeitsuntersuchung
-    Anamnese und körperliche Untersuchung
-    Labor (Bestimmung mehrerer Blutwerte)
-    Ruhe-EKG
-    Belastungs-EKG
-    Herz-Ultraschall (Echokardiographie)
-    Stress-Echokardiographie (Herz-Ultraschall unter Belastung)
-    Spirometrie (kleine Lungenfunktionsprüfung) bzw. Bodyplethysmographie (große Lungenfunktionsprüfung)
-    Spiroergometrie (Atemgas- und Lungenfunktionsmessung unter Belastung)

*Welche Diagnostik jeweils sinnvoll ist, entscheiden wir im Einzelfall – je nach Symptomatik, Verlauf der Erkrankung, individuellem Risikoprofil und bereits vorher durchgeführten Untersuchungen.

Wie oben geschrieben, empfehlen wir eine Sporttauglichkeitsuntersuchung auch nach einer asymptomatischen Covid-19-Erkrankung. Unsere Ärzte empfehlen Ihnen im Anamnesegespräch individuell relevante Untersuchungen. Dazu zählt in jedem Fall ein Ruhe-EKG.

Kosten der Untersuchungen nach Covid-19-Erkrankung

Um Schäden an Herz und Lunge auszuschließen, sollten sich Freizeit- und Leistungssportler nach einer Covid-19-Erkrankung ärztlich untersuchen lassen bevor sie wieder trainieren. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen in diesem Fall die Kosten für EKG, Herz-Ultraschall und Lungenfunktion. Wenn gewünscht, führen wir als Selbstzahlerleistungen weitere Untersuchungen durch, etwa einen Laktattest (Kosten: 146,89 Euro) sowie die Bestimmung von Antikörpern per Bluttest.

Ohne Covid-19-Erkrankung gilt: Sportmedizinische Untersuchungen sind Vorsorgeleistungen und nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten. Wir stellen Ihnen diese daher privat in Rechnung. Im Sinne des Präventionsgedankens übernehmen mittlerweile die meisten Krankenkassen sportärztliche Gesundheitschecks teilweise oder ganz. Bitte erkundigen Sie sich dazu vorab bei Ihrer Krankenkasse. Ihre Vorsorge-Untersuchungen bezahlen Sie per EC-Karte an unserer Anmeldung. Für die Abstimmung mit Ihrer Krankenkasse erhalten Sie von uns eine detaillierte Rechnung.

Zum Nachlesen: Positionspapier „Return to Sports“ und weitere Empfehlungen
Hinweise für Sportler mit Vorerkrankungen sowie ältere Sportler

Herz, Gefäße und Lunge werden bei einer Infektion in hohem Maße belastet, daher sind Patienten mit Vorerkrankungen dieser Organsysteme besonders gefährdet für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung. Auch wenn eine definitive wissenschaftliche Erklärung hierfür noch aussteht, so führen Erkrankungen wie dauerhaft erhöhter Blutdruck (arterielle Hypertonie), Diabetes Typ 2 und Herzschwäche (Herzinsuffizienz) zu einer Versteifung oder Funktionsstörung der linken Herzkammer (Diastolische Dysfunktion, Heart Failure with preserved oder reduced ejection fraction). Eine Funktionseinschränkung der linken Herzkammer begünstigt einen Rückstau des Blutes in den Lungenkreislauf. Dieser ist besonders bei Fieber und Herzrasen (Tachykardie) in noch größerem Maße gegeben.

Jemand, der als kardio-pulmonaler Patient bereits an seinem Limit ist und nur geringe Kompensationskapazität durch Adaptation der Peripherie wie erhöhte Kapazität der oxidativen Muskelenzyme hat, ist deutlich gefährdeter für einen schweren Verlauf einer Infektion, ob durch Influenzaviren oder Covid-19-Viren. Natürlich nimmt mit dem Alter die Steifigkeit des Herzens zu und die Funktion der Muskulatur ab, so dass das Alter eine zentrale Größe als Risikofaktor für eine schlechtere Prognose von Covid-19-Patienten ist.

Prof. Halle: „Es steht aber außer Frage, dass körperliches Training das Herz-Kreislaufsystem leistungsfähiger erhält und die Belüftung der Lunge fördert und so auch die Durchblutung durch den Euler-Liljestrand-Reflex verbessert. Zudem steigert Sport die Immunkompetenz. Dies sind alles Kapazitäten, die zur erfolgreichen Bewältigung einer Covid-19-Infektion von wesentlicher Bedeutung sind, gerade für untrainierte und alte Menschen.“

Wer Vorerkrankungen hat und / oder älter ist und sich mit Covid-19 infiziert, sollte sich nach überstandener Erkrankung unbedingt umfassend untersuchen lassen, um ohne erhöhtes Risiko wieder Sport treiben zu können. Gerne sind wir für Sie da.

Hinweis: Die Fotos sind vor der Covid-19-Pandemie entstanden.

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Wir sind gerne für Sie da!

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